Web Engineering – Systematische Entwicklung von Web-Anwendungen

Web Engineering ist noch eine sehr junge Disziplin, weshalb sich auch die Literatur, die sich explizit darum dreht und nicht nur anschneidet, bisher relativ rar ist. Einer der wenigen Ausnahmen ist das gleichnamige Buch „Web Engineering“ von den Herausgebern Gerti Kappel, Birgit Pröll, Siegfried Reich und Werner Retschitzegger. Dabei richtet sich das Buch als Grundlage einer einführenden Vorlesung über Web Engineering oder zum Selbststudium nach eigenen Angaben für Studierende der Informatik und verwandter Fächer sowie Webdesigner, Projektleiter oder Softwareentwickler.

Für wen eignet sich das Buch

Um es gleich mal vorwegzunehmen, das Buch dürfte zu 90% wohl nur für Studenten oder anderen Personengruppen eignet, die sich dem Thema Web Engineering theoretisch (!) nähern möchten. Das Werk verfolgt einen akademischen Ansatz, die Praxis bleibt da zwangsläufig auf der Strecke. Das liegt daran, dass die eigentliche Implementierung auch nur ein Teil des Web Engineering ist. Wer also eine Anleitung für den Bau von tollen Web-Projekten sucht, der ist mit diesem Buch falsch beraten. Hier lernt man vor allem Konzepte, Methoden, Techniken, Werkzeuge und Erfahrungen zur ingenieurmäßigen Entwicklung von Web-Anwendungen.
Zwar schreiben die Herausgeber selbst, dass das Buch auch eine „praxisorientierte Einführung in die Disziplin des Web Engineerings“ bietet, dennoch hält sich dieser Einblick meiner Meinung nach doch stark in Grenzen. So werden zwar beispielsweise Werkzeuge zur Modellierung und automatischen Codegenerierung vorgestellt, der Fokus liegt aber doch klar auf den theoretischen Grundlagen.

Inhalt

Das Buch umfasst 14 Kapitel, die jeweils von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden, laut dem Herausgebern, alles ausgewiesene Experten. Angefangen von einer Einleitung, über Requirements Engineering, hin zur Modellierung und Architektur oder auch Usability und das Semantisches Web werden viele Themen des Web Engineerings angeschnitten. Bei manchen Themen hätte man sich mehr Tiefe gewünscht, andere Kapitel hätten zumindestens aus meiner Sicht komplett weggelassen oder stark gekürzt werden können.

Insgesamt soll „Web Engineering – Systematische Entwicklung von Web-Anwendungen“ nach Angaben der Herausgeber in seinem Aufbau dem Buch „Software Engineering Body of Knowledge“ folgen, d.h. Die einzelnen Kapitel sind analog dem traditionellen Software Engineering angeordnet. Wer das genannte Buch also schon gelesen hat, wird wohl Parallelen vorfinden, was denke ich auch ganz sinnvoll ist, da sich das Web Engineering zum Teil aus dem klassischen Software Engineering ergibt.

Fazit

Da die Auswahl zum Thema „Web Engineering“ im deutschsprachigen Bereich wirklich nicht üppig ausfällt, muss man schon froh sein solch ein Buch zu finden, dass sich ebenfalls sehr theoretisch dem Thema sich nähert, wie das beispielsweise an einer entsprechenden Vorlesung an einer Universität gelehrt und auch gefordert wird. Demnach ist das Buch trotz einiger Schwächen vor allem für Studenten eine Empfehlung, die sich im Rahmen ihres Studiums mit dem Thema Web Engineering befassen müssen/dürfen. Für enthusiastische Web-Entwickler, die schnell lernen möchten wie sie eine Web-Anwendung praktisch realisieren können ist das Buch allerdings nichts.

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